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Hi,

ich

bin

Elias!

2019 erfolgte mein Outing. 

Zunächst bei meiner Therapeutin und dann bei Freunden und Familie. Es bedeutete eine große Überwindung, es gab nur diesen einen Weg für mich, auch wenn ich ihn hätte allein gehen müssen! 

Freunde und Familie standen und stehen hinter mir und unterstützen mich in allem, für die meisten kam dies alles auch nicht überraschend. 

 

Im Januar 2020 begann ich meine Hormontherapie. Die Stimme wurde tiefer, der Körper veränderte sich. Das Gesicht wurde maskuliner und der Bart fing an zu wachsen. 

Pure Glücksgefühle.

 

Im Juni 2020 folgte die erste OP, in welcher mir Gebärmutter und Eierstöcke entfernt wurden. 

 

Einer der wichtigsten Tage meines Lebens folgte endlich im Januar 2021, die lang ersehnte Mastektomie (Entfernung der Brust)!

Endlich fühlte ich mich frei.

30 Jahre lang war mein Körper ein Käfig. Endlich frei! 

Jetzt bin ich endlich ICH. Elias. Im Innen und Außen. 

 

Und seit dem 23.02.2021, nach 15 Monaten Personenstandsverfahren, offiziell auf dem Papier. 

Das erste mal in meinem Leben kann ich von ganz tief innen sagen, dass ich glücklich bin. 

Ich fühle mich angekommen. Depressionen sind Vergangenheit. 

Das heißt nicht, dass es mir nie schlecht geht. Aber die Löcher, in die man fällt sind nicht mehr so tief und nicht mehr so dunkel wie früher. Es dauert nicht mehr ewig, aus einem Loch wieder raus zu krabbeln. 

Ich genieße mein Leben. Heute ist mein Lachen echt. 

 

Auch wenn mein Weg noch längst nicht zu Ende ist... es ist gut zu wissen, in die richtige Richtung zu gehen, immer das Ziel vor Augen. 

 

"Birds born in a cage think flying is an illness."

- Alejandro Jodorowsky 

 

Aber (endlich) frei sein und fliegen ist keine Krankheit. Gefangen sein macht krank. 

Ich hoffe, dass irgendwann alle Menschen das verstehen.

Transgender Fotoreportage

Ich bin kein Schauspieler, aber 30 Jahre lang habe ich die Rolle meines Lebens gespielt. 

Ich wurde 1989 in Neuss geboren. Im falschen Körper. Ja, mein Körper war bei der Geburt weiblich. 

Das machte meine Kindheit und Jugend oft schwierig und verwirrend, richtig schlimm wurde es mit Beginn der Pubertät.   

 

Das Gefühl falsch zu sein begleitete mich ständig, nicht hier hinzupassen, nicht dort hinzugehören. Von den Jungs nicht akzeptiert zu werden, gleichzeitig mit den Mädchen nichts anfangen zu können, machte mein Leben lange sehr einsam. 

Ich zog mich immer mehr zurück und entwickelte schwere Depressionen welche einhergingen mit einer Essstörung. 

 

Mein Körper passte nicht zu mir und ich begann ihn mit allen Mitteln zu bekämpfen. 

 

Keine Kurven, keine Rundungen! Mein Körper wurde immer schwächer und kaputter. 

 

Ich wusste lange nicht, was mit mir los ist und dass ich nicht alleine damit bin.

Als ich eines Tages eine Doku über Transgender sah, fühlte ich mich verstanden,

schrittweise fügte sich alles zu einem Ganzen.

Bis zu jenem Zeitpunkt, als ich den Sohn einer Freundin kennen lernte,

auch er wurde im falschen Körper geboren. 

Einerseits fühlte es sich richtig an...auf der anderen Seite fühlte es sich unmöglich an. 

 

Es ging mir immer schlechter und schließlich kam ich an den Punkt,

wo ich mich entscheiden musste:  Allem ein Ende setzen oder mich auf den

langen und schweren Weg zu mir selbst machen. 

Ich entschied mich endlich ich selbst zu sein, meinen Körper meiner Identität anzupassen.